Max Planck Institute for Social Anthropology University of Zurich

CASCA

Halle-Zürich Zentrum für ethnologische Studien zu Zentralasien

Im Jahre 2012 gründeten das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Abteilung Integration und Konflikt) und das Ethnologische Seminar der Universität Zürich gemeinsam das ‚Centre for the Anthropology Study of Central Asia‘ (CASCA). Damit wurde die langjährige Zusammenarbeit beider Institutionen formalisiert und gestärkt mit dem Ziel, eine Plattform für eine anthropologische Beschäftigung mit Zentralasien zu schaffen, zu der Mitglieder beider Institute in der Vergangenheit bereits wichtige Beiträge geleistet haben.

Wir fassen den Begriff Zentralasien hierbei in einem weiteren Sinne, der die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgizstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan ebenso einschließt wie die Uigurisches Autonomes Gebiet Xinjiang, die bisweilen als Innerasien bezeichneten mongolisch- und tibetisch-sprachigen Gebiete und angrenzende Regionen im Norden Afghanistans und Irans sowie im südlichen Sibirien und der angrenzenden Mandschurei. Zum Forschungsinteresse gehören zudem neue und alte Diaspora-Gruppen aus Zentralasien, die in Metropolen wie Moskau oder Istanbul leben. Das Leben der Menschen in diesem Raum ist geprägt von zahlreichen Parallelen in geographischer, historischer und kultureller Hinsicht. Dazu zählen ein kontinentales und trockenes Klima, eine traditionell auf Bewässerungslandwirtschaft, Pastoralnomadismus und Handel beruhende Wirtschaft sowie Ähnlichkeiten in der sozialen Organisation und religiösen Praktiken.

Als Schnittstelle zwischen verschiedenen Teilen des eurasischen Kontinents war Zentralasien schon immer sowohl Ziel- als auch Ausgangspunkt kultureller und politischer Einflüsse, die Vernetzungen weit über seine Grenzen hinaus herstellten. Einst Ursprung von Weltmächten verschiedener türkisch- und mongolisch-sprachiger Konföderationen wurde die Region später zum kolonialen Randgebiet russischer und chinesischer Herrschaftsausübung. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts war Zentralasien sodann Bestandteil der zwei größten Experimente in der Geschichte der Menschheit, dem Aufbau eines sozialistischen Systems und dessen Niedergang. Entsprechend stehen Untersuchungen zu den Transformationsprozessen und zur Anpassung in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht im Zentrum der jüngeren Forschung zu Zentralasien.

Die ethnologische Perspektive fokussiert dabei vor allem auf lokale Aushandlungsprozesse und Vorstellungswelten von Menschen vor dem Hintergrund geopolitischer Rahmenbedingungen, nationaler Machtkämpfe und sich wandelnder kultureller Muster. Hierzu gehören zum Beispiel ökonomische Beziehungen und wachsende Ungleichheit, neue Formen sozialer Kooperation, ethnische Identifizierung und Allianzen sowie das Aufleben und die Umgestaltung religiöser Vorstellungen. In der Wissenschaft wie auch in der Öffentlichkeit stellt Zentralasien einen noch immer wenig bekannten Teil der Welt dar. Dies betrifft besonders empirische Disziplinen wie die Ethnologie, da der Forschungszugang vor allem während der sozialistischen Zeit, aber in bestimmten Teilen auch darüber hinaus, stark eingeschränkt war und ist.

Ziel von CASCA ist es, empirische Forschungen, die sich der Region aus einer ethnologischen Perspektive nähern, zu unterstützen und die Ethnologie Zentralasiens als regionale Teildisziplin zu stärken. CASCA ist dabei Teil eines globalen Netzwerkes in enger Kooperation mit Kollegen und akademischen Institutionen innerhalb und außerhalb der Region. Zusätzlich zur Forschung engagiert sich CASCA für den Ausbau der Lehre auf BA-, MA- und Doktoratsstufe sowie für Sommerschulen und regelmäßige Kursangebote zu Zentralasien.